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Selbstzweifel im Beruf: „Ich glaube manchmal, ich bin nur aus Versehen hier“


Nachdenkliche junge Frau im Business Kontext

Warum das Impostor Syndrome so viele kluge Köpfe bremst – und was wir als Coaches tun können



„Ich warte nur darauf, dass jemand merkt, dass ich gar nicht so gut bin.“

Diesen Satz habe gerade erst von einer Klientin gehört.

Sie ist jung, blitzgescheit, humorvoll, macht Karriere – und ist gleichzeitig davon überzeugt, dass ihr Erfolg größtenteils Zufall ist.

Dieser Satz resoniert so bei mir, weil ich ihn ganz am Anfang meiner Karriere fast genau so zu meinem damaligem Chef sagte - ausgerechnet nachdem er mich sehr gelobt hatte. Und ich fühlte mich dabei einfach nur schlecht weil ich dachte "Das war nur Glück. Bei der nächsten Gelegenheit fällt auf, dass ich das eigentlich garnicht kann!"

Es hat Jahre gedauert, bis ich erfuhr, dass diese Selbstzweifel im Beruf nicht nur weitverbreitet sind, sondern das Gefühl sogar einen Namen hat. Das Impostor Syndrome.


Selbstzweifel im Beruf: Das Impostor Syndrome

gestapelte Kaffeetassen in die Kaffee gegossen wird

Das Impostor Syndrome beschreibt das Phänomen, dass Menschen trotz objektiver Erfolge überzeugt sind, ihren Erfolg nicht verdient zu haben. Sie glauben, Glück, Zufall oder äußere Umstände seien der Grund für ihr Vorankommen – und leben mit der Angst, irgendwann „aufzufliegen“.

Der Begriff stammt von den Psychologinnen Pauline Clance und Suzanne Imes, die ihn Ende der 1970er prägten. Sie beobachteten, dass vor allem erfolgreiche Frauen dazu neigten, ihre Leistungen abzuwerten.


Aktuelle Studien bestätigen das:

  • Rund 70 % aller Menschen erleben irgendwann impostorartige Gedanken.

  • Besonders häufig betroffen sind junge Frauen – vor allem beim Start in eine neue Rolle oder nach einem Karrieresprung.

  • Männer erleben ähnliche Zweifel, sprechen aber seltener darüber.


Die Autorin Valerie Young beschreibt fünf typische Denkmuster, in die Betroffene verfallen:

  1. Der Perfektionist: Nur „perfekte“ Leistung zählt.

  2. Der Experte: Glaubt, noch nicht genug zu wissen.

  3. Der Solist: Muss alles allein schaffen.

  4. Der Natural: Denkt, echtes Können müsse mühelos sein.

  5. Der Supermensch: Will in allen Lebensbereichen gleichzeitig brillieren.


...kommt Dir da etwas bekannt vor?


Wie Coaching hier hilfreich sein kann

Frau im weißen Shirt die in die Kamera lächelt

Impostor-Gefühle sind kein persönlicher Defekt – sie sind gelernte Denk- und Bewertungsmuster. Im Coaching begegnen mir diese Themen vor allem bei Menschen, die stark leistungsorientiert sind oder gerade in neuen Rollen Fuß fassen.

Das Ziel ist nicht, die Selbstzweifel „wegzutherapieren“, sondern ihre Logik zu verstehen und die Perspektive zu verändern.

Ein paar Coaching-Schritte, die sich bewährt haben:


1. Erkennen Welche Gedanken tauchen auf, wenn Anerkennung oder Verantwortung kommen?

2. Reframing Vom Zufall zur Kompetenz: Was genau hast du getan, damit es so lief?

3. Realitätsabgleich Wie sieht dieselbe Situation von außen betrachtet aus? (z. B. aus Sicht einer Freundin oder deines Teams)


Eine kleine Übung aus der Praxis

Meiner Klientin hat sich mit mir ein einfaches Ritual überlegt:

Nach jedem wichtigen Meeting schreibt sie drei Dinge auf, die sie aktiv bewirkt hat.

Und ich sage voraus: am Anfang wird ihr das schwer fallen. Und mit der Zeit und Übung wird es immer leichter, auch eigene Leistung (an)zuerkennen.


Fazit: Selbstzweifel sind kein Zeichen von Schwäche

Das Impostor Syndrome ist oft das Echo eines hohen Verantwortungsbewusstseins – nicht dessen Gegenteil.Im Coaching geht es darum, die innere Stimme, die zweifelt, nicht zu bekämpfen, sondern sie aktiv wahrzunehmen und wertzuschätzen.

Du bist nicht aus Versehen hier. Du bist hier, weil du es dir erarbeitet hast.

Quellen:

Bravata, D. M., Watts, S. A., Keefer, A. L., Madhusudhan, D. K., Taylor, K. T., Clark, D. M., Nelson, R. S., Cokley, K. O., & Hagg, H. K. (2020). Prevalence, predictors, and treatment of impostor syndrome: A systematic review. Journal of General Internal Medicine, 35(4), 1252–1275. https://doi.org/10.1007/s11606-019-05364-1

Young, V. (2011). The secret thoughts of successful women: Why capable people suffer from the impostor syndrome and how to thrive in spite of it. Crown Publishing.

 
 
 

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